Umfrage: Generation Z & Corona – Wie wirkt sich COVID19 auf Schule, Ausbildung und Beruf aus?

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Die Infektionszahlen steigen und Grenzwerte werden überschritten: Die zweite Welle ist längst keine wage Prognose mehr, sondern bereits bittere Realität. Anlass genug, um die Generation Z zu ihren Erfahrungen in der Krise zu befragen. Geboren von ca. 1995 bis 2010 drücken einige GenZler noch die Schulbank, während andere bereits die ersten Schritte im Berufsleben gehen. So oder so: ihr sich ohnehin im Wandel befindendes Leben wurde zusätzlich auf den Kopf gestellt.

Generation Z – Die verlorene Generation?

Angehörige der Generation Z sind teilweise an sehr unterschiedlichen Punkten in ihrem Leben, können noch zur Schule gehen, auf den Abschluss hinarbeiten oder schon mitten im Berufsleben stehen. Trotzdem wird in den Medien oft ein Bild einer geschlossenen Jugend gezeichnet, die verunsichert in die Zukunft blickt und sich ungerecht behandelt fühlt. Zwar ist klar, dass dieses Bild vereinfacht ist, aber könnte trotzdem etwas dran sein an der viel beschworenen „verlorenen“ Generation, der durch die Umstände der Krise schulische sowie akademische Abschlüsse erschwert und die beruflichen Perspektiven genommen werden?  Um das zu überprüfen, hat HCM4all eine Umfrage mit dem Titel „Generation Z und Corona – wie wirkt sich COVID19 auf Schule, Ausbildung und Beruf aus?“ unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 14 und 29 Jahren durchgeführt.

Meinungen zur Online-Lernsituation: Mehr Flexibilität oder mangelnder Kontakt?

Mit 52% zählen die Studenten zur größten Gruppe der Befragten. 25% absolvieren eine schulische oder betriebliche Berufsausbildung, während 12% eine weiterführende Schule besuchen. Mit 8% zählen die Berufseinsteiger zur kleinsten der befragten Gruppen.

Gerade junge Erwachsene in Studium, Berufsausbildung oder auf einer weiterführenden Schule mussten sich auf eine ganz neue Lernsituation einstellen. Vorlesungen und Unterricht finden ganz oder teilweise online statt und stellen damit alle Beteiligten vor neue technische und soziale Herausforderungen. Bei den Studierenden kommen 46% mit dem Onlineunterricht schlechter zurecht. Als Grund für die schlechtere Bewertung führen sie mangelnde Unterrichtsqualität, ein teilweise gesteigertes Lernpensum, den fehlenden Austausch mit Dozenten und Kommilitonen und Probleme mit Konzentration und Motivation im Homeoffice an. 17% der Studierenden bewerten die neue Situation besser als den herkömmlichen Präsenzunterricht. Vor allem die zeitliche und räumliche Flexibilität seien komfortabel.

Während an Universitäten und Hochschulen weiterhin auf virtuelle Vorlesungen gesetzt wird, haben Berufsschulen aktuell unter der Einhaltung von Hygienestandards geöffnet. Unter den Auszubildenden fällt das Bild zum zeitweise eingesetzten digitalen Unterricht deutlich aus. 75% der Befragten haben die neue Unterrichtsweise als schlecht bewertet. Dazu trugen neben technischen Schwierigkeiten, niedrigere Unterrichtsqualität und fehlender Austausch sowie der schlechte Umgang der Betriebe mit der veränderten Situation bei. Einige Azubis berichteten, ihr Betrieb hätte ihnen mehr Arbeit aufgetragen. Grund dafür sei die falsche Annahme, Auszubildende hätten Aufgrund der Schließung der Berufsschulen mehr Zeit zur Verfügung, obwohl der Unterreicht zeitgleich online stattgefunden habe.

Am deutlichsten trat die schlechte Vorbereitung auf die Situation aber bei weiterführenden Schulen zu Tage. Hier kamen 77% der Schüler schlechter mit der neuen Situation zurecht. Schuld daran hatten vor allem fehlende Erklärungen und ausfallender Unterricht bei gleichzeitiger Erhöhung des Arbeitspensums.

Arbeitsalltag: Meinungen zu den Auswirkungen auf Beruf, Praktika, betriebliche Ausbildung

Auszubildende sammeln ihre Praxiserfahrung vor allem durch die Arbeit im Betrieb. Wie sieht es hier aus? Die gute Nachricht: für die Hälfte der Azubis hat die Krise keine Auswirkungen auf das Arbeitspensum. Nur 20% arbeiten weniger als vor der Pandemie, während 30% sogar mehr zu tun haben. Unter den Befragten gab keiner an, seinen Ausbildungsplatz verloren zu haben.

50% der Auszubildenden arbeiten weiterhin regulär im Betrieb. In manchen Betrieben sind Veränderungen durch strengere Hygienemaßnahmen spürbar. Es werden Kontrollen durchgeführt und Besuchsregeln aufgestellt. Andere Unternehmen nehmen hingegen kaum Änderungen vor. 30% der Azubis arbeiten ausschließlich im Homeoffice, während 20% sowohl im Betrieb als auch von zuhause aus arbeiten.

Die Arbeit aus den eigenen vier Wänden wird allerdings mehrheitlich schlechter, als die Arbeit vor Ort bewertet. Es fehle vor allem an Struktur im Arbeitsalltag und am Kontakt zu Kollegen und Kunden. 40% der Befragten empfinden die Arbeit im Homeoffice hingegen sogar als besser oder gleich gut.

Studierende sammeln Praxiserfahrung vor allem durch Praktika. Egal ob verpflichtend oder freiwillig – in 2020 ist es durchweg schwieriger, eine Praktikumsstelle zu finden. Viele Stellen fallen weg, auch wenn sie formell ausgeschrieben sind. Auf dieses kleinere Angebot trifft eine gewachsene Nachfrage, da zugleich auch Auslandssemester und Praktika im Ausland wegfallen. Für eine Mehrheit der Studierenden stellt dies ein großes Problem dar.

68% der befragten Studierenden arbeiten nebenbei auf Minijob-Basis oder als Werkstudent, um sich einen Teil ihres Lebensunterhaltes zu finanzieren. Egal ob in der Gastronomie, im Einzelhandel oder in einem studienrelevanten Beruf – für fast alle von ihnen hat sich durch die Coronakrise etwas geändert.

Etwa ein Viertel der Befragten verlor ihren Studentenjob, 36% arbeitet mehr, während genauso viele pandemiebedingt weniger Stunden absolvieren. Zumindest erhielten 8% der Studienteilnehmer neue Jobmöglichkeiten, die sie vor der Pandemie nicht hatten, u.a. im medizinischen Bereich. Auch bei den Studierenden verrichtet die Mehrheit ihre Aufgaben weiterhin im Betrieb (50%), oder sowohl im Betrieb als auch im Homeoffice (16%). Die Umstellungen dort werden meistens als unproblematisch empfunden. Das ausschließlich im Homeoffice arbeitende Drittel hat dazu gemischte Gefühle. Nahezu die Hälfte empfindet die Arbeit von zu Hause als besser oder genauso gut.

Veränderte Berufswüsche: Hat Corona zum Umdenken angeregt?

Gerade in der Hochphase der ersten Pandemiewelle im Frühjahr stieg das Ansehen sogenannter systemrelevanter Jobs in der Pflege, im Einzelhandel und im öffentlichen Dienst. Hat dies zu einer Veränderung von Berufswünschen geführt? Ist es Angehörigen der Generation Z nun vielleicht wichtiger, mit ihrem Job Menschen zu helfen, statt viel Geld zu verdienen?

35% gaben an, ihre Einstellung zu systemrelevanten Jobs habe sich verändert. Sie müssten besser bezahlt werden und sollten mehr Anerkennung erfahren. Eigene Pläne in Frage zu stellen und einen systemrelevanten Job zu ergreifen – das kommt für die meisten aber nicht in Frage.

Bei den Studenten geben nur 10% an, ihr Karriereplan hätte sich durch die Krise verändert. Eine veränderte Meinung betrifft in diesem Fall jedoch meistens eher eine Entscheidung zwischen Fortsetzung des Studiums durch einen Masterstudiengang oder den Einstieg ins Berufsleben.

Bei Schülern haben sich immerhin 11% der Befragten umorientiert. Dies sei allerdings eher der veränderten Situation am Ausbildungsmarkt und dem Mangel an attraktiven Ausbildungsstellen geschuldet. Auszubildende haben diesbezüglich eine noch gefestigtere Meinung. Hier wollen alle Befragten bei ihrem derzeitigen Plan bleiben. Dasselbe gilt für Berufseinsteiger. Einmal im Job angekommen, ändern sich die Pläne nicht so schnell.

Angst um die Zukunft? So denkt die Generation Z über die langfristigen Auswirkungen der Krise

Um ihre berufliche Zukunft machen sich die meisten keine Sorgen. In der Gruppe der Berufseinsteiger fürchten sich nur 16% der Befragten vor den Auswirkungen der Krise auf ihre Zukunft. 30% der Azubis haben Sorge nach dem Abschluss nicht übernommen zu werden. Bei Studenten sind es immerhin 25%. 33% der Schüler haben im Hinblick auf ihre nähere (schulische) Zukunft dahingehend Bedenken, dass sie befürchten zu viel Unterricht verpasst zu haben, um im weiteren Verlauf noch mitzukommen zu können.

Im Job bzw. für die berufliche Zukunft sind für 44% Homeoffice-Optionen wichtiger als zuvor. Ein sicherer Arbeitsplatz hat für 58% nun höhere Priorität. Allerdings ist wohl auch die Mär vom jobhoppenden GenZler vorbei. Nur 40% sind aktuell überhaupt bereit, den Arbeitsplatz zu wechseln.

Die allgemeine Lebenseinstellung der Generation Z hat sich durch die veränderte Situation in der Coronapandemie ganz unterschiedlich verändert. Viele geben an, entspannter zu sein, da durch die Umstellungen viele Stressfaktoren beseitigt wurden. Sie hätten nun mehr Zeit mit ihren Familien und Freunden und würden diese mehr wertschätzen. Andere geben an, vorsichtiger zu handeln, bei Entscheidungen mehr abzuwägen und sich im Hinblick auf ihre Zukunft unsicher zu fühlen. Dieses unsichere Gefühl kann von der Wahrnehmung des Lockdowns und jetzt Teillockdowns herrühren. 52% fühlen sich durch den veränderten Alltag schlechter als sonst, während ein Drittel angibt, sich wie immer zu fühlen. Lediglich 13% finden die Situation im Lockdown sogar besser als im Normalzustand.

Fazit: Sieht sich Generation Z tatsächlich als die verlorene Generation?  

Ist die Generation Z aufgrund der aktuellen Situation verbittert und sieht sich als Opfer der Krise? Die Umfrageergebnisse spiegeln zwar wider, dass die Meinungen hierzu teils auseinander gehen, mehrheitlich lässt sich die Frage allerdings mit nein beantworten. Branchenbedingt sind einige GenZler mehr von den Auswirkungen der Pandemie betroffen, als andere. Getreu dem Motto „Es ist, wie es ist.“ nimmt jedoch die Mehrheit dieser Generation die momentanen Einschränkungen an und blickt hoffnungsvoll in die Zukunft. Auch wenn sich einige Angehörige der GenZ neuen Herausforderungen stellen und sich beruflich umorientieren mussten und müssen, ist die Grundhaltung der meisten unter dem Strich jedoch positiv. Zum einen mag diese Einstellung von ihrer altersbedingten Leichtigkeit herrühren. Der Großteil ist noch frei von Verantwortungen wie z.B. einer eigenen Familie. Das erleichtert Umstrukturierungen in der Karriereplanung. Zum anderen spiegelt der Umgang der GenZ mit der Krise auch den Umgang der Deutschen mit dieser im Allgemeinen wider. Im Großen und Ganzen sind die Bemühungen spürbar, das Beste aus der Situation zu machen. Für Arbeitgeber, die gerade jetzt auf der Suche nach neuen Talenten sind, gilt daher die weiterhin bestehende Motivation der Generation Z zu nutzen. Es gilt dabei, neue digitale Wege zu gehen und Anreize zu schaffen. Dann kann die zuversichtliche Haltung zur Krise zur Chance für Unternehmen werden.

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